Fasten bei Krebs? In den meisten Fällen wird Krebskranken vom Fasten abgeraten, vor allem von Ärzten, die mit Fasten keine Erfahrung haben. Die Logik dahinter: Krebskranke sind ohnehin schon geschwächt und nehmen an Gewicht ab. Das Fasten würde beides noch zusätzlich fördern.
Kalorien sind für Krebskranke nicht das Wichtigste
Dass Krebskranke geschwächt sind und abnehmen, ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass sie zu wenig Kalorien zu sich nehmen. Das kann zwar auch der Fall sein, wenn sie im Zuge einer Therapie keine Nahrung mehr aufnehmen können oder vertragen oder der Appetit oder der Geschmackssinn schwindet. Es ist aber nicht die primäre Ursache. Die primäre Ursache ist der ineffiziente Stoffwechsel.
Um eine Heilung von Krebs zu erreichen, muss unbedingt der Stoffwechsel wieder reguliert und die Zellatmung wieder in Gang gesetzt werden. Indem Krebskranke einfach nur kalorienreiche Nahrung zu sich nehmen, erreichen sie dieses Ziel nicht. Wenn die Nahrung womöglich noch raffinierte Kohlenhydrate oder Transfette enthält, ist sie sogar kontraproduktiv.
Neueste Forschungen zum p53-Protein
Nun ist mir vor kurzem ein Artikel untergekommen, in dem berichtet wird, dass Forscher der Universität Graz herausgefunden haben, dass bei Nahrungsentzug das p53-Protein in der Leber angereichert wird. Das p53-Protein gilt als Tumorsuppressor. Es hat eine wichtige Funktion bei der Zellteilung, bei der Reparatur von beschädigten Genen und der Apoptose, dem natürlichen Zelltod, der bei Krebszellen ausgeschaltet ist.
In der Forschung stürzt sich die Pharmaindustrie natürlich auf solche Erkenntnisse, um damit neue Medikamente zu entwickeln. Möglicherweise müssen wir auf diese Medikamente aber gar nicht warten. Es ist viel naheliegender und billiger, einfach zu fasten. Leider ist noch nicht ausreichend erforscht, für wen, wann, wie lange und in welcher Form Fasten eine hilfreiche Methode gegen Krebs darstellt. Diese Forschungsergebnisse weisen aber darauf hin, dass die positiven Erfahrungen von Fasten bei Krebs möglicherweise gar nicht (nur) auf das umstrittene Aushungern der Krebszellen zurückzuführen sind, sondern auch auf die Anreicherung des p53-Proteins, wodurch sich die Zellen wieder regenerieren und gesunden können. Und natürlich auf das Entschlacken und Entgiften, das beim Fasten stattfindet.
Erfahrungen von Fastenärzten
Wenn Fasten bei Krebs dazu beiträgt, die Oxydation wieder in Gang zu setzen und das Krebsgeschehen zu hemmen, kann es also durchaus positive Effekte haben, die negative Begleiterscheinungen wie Gewichtsabnahme überwiegen.
Ärzte, die Erfahrung mit Fasten haben, stehen auch dem Fasten von Krebskranken durchaus aufgeschlossener gegenüber. So sagte mir eine Fastenärztin einmal, es gäbe keine Evidenz dafür, dass Fasten für Krebskranke schlecht sei. Und immer wieder berichten sowohl Ärzte als auch Betroffene von Heilerfolgen durch Fasten. Sehr bekannt ist das Heilfasten nach Dr. Breuß. Sein 42-Tage-Fastenprogramm ist allerdings schon sehr extrem. Ob es unbedingt so lange sein muss, bin ich mir nicht sicher. Möglicherweise haben auch kürzere Fastenperioden schon denselben oder sogar bessere Erfolge.
Die entgiftende Wirkung des Fastens
Auch eine abgewandelte Gerson-Diät könnte hilfreich sein. Die Gerson-Diät ist eine erfolgreiche Ernährungstherapie, allerdings schwer über längere Zeit durchzuführen. Dr. Gerson empfahl seinen Patienten 13 frisch gepresste Säfte und 6 Kaffeeeinläufe am Tag, allerdings auch noch zusätzlich 3 feste Mahlzeiten. Ich habe die Gerson-Diät einmal eine Woche lang ausprobiert und die Erfahrung gemacht, dass es mir kaum möglich war, zusätzlich zu den Säften noch so viel feste Nahrung zu mir zu nehmen, weil die Säfte allein schon so sättigend waren. Ähnlich wie das Fasten wirkt die Gerson-Diät stark entgiftend. Und Entgiftung ist für Krebskranke sehr wichtig.
Fasten bei Chemotherapie
Aber Vorsicht! Nach einer Chemotherapie muss die Entgiftung sehr vorsichtig angegangen werden, weil der Körper da extrem vergiftet ist. Wenn die Gifte nur gelöst, aber nicht gebunden und ausgeleitet werden, können sich erneut wieder dieselben Nebenwirkungen wie während der Therapie einstellen.
Bekannt ist, dass ein Fastentag vor einer Chemotherapie deren Nebenwirkungen lindern kann. Das kann also jedenfalls empfohlen werden. Ein Tag Fasten wird kaum jemandem schaden. Auch das Nachtfasten, bei dem durch ein spätes Frühstück und ein frühes Abendessen 16 Stunden lang nichts gegessen wird, ist sicher eine Möglichkeit, die sich nicht nur auf Gesunde, sondern auch auf Krebskranke positiv auswirkt. Diese Form des Fastens muss nicht notwendigerweise bedeuten, dass weniger gegessen wir. Es wird aber den Verdauungsorganen eine Pause gegönnt, was diesen guttut.
Immer eine Einzelfallentscheidung
Natürlich ist bei der Frage, wer wann wie lange fasten soll und kann, zu berücksichtigen, in welchem Allgemeinzustand sich ein Krebskranker befindet. Ein Übergewichtiger, der gerade erst eine Diagnose bekommen hat und sich in guter Verfassung befindet, wird problemlos fasten können. Anders sieht das bei jemandem aus, der bereits kachektisch und stark geschwächt ist. Trotzdem, selbst dann ist nicht auszuschließen, dass Fasten hilfreich sein kann. Allerdings ist insbesondere in diesem Fall die Begleitung durch einen guten Fastenarzt unbedingt anzuraten.
Fasten als Teil eines ganzheitlichen Konzepts
Fasten allein ist jedoch noch keine ausreichende Therapie. Schon bei Gesunden besteht die hohe Kunst des Fastens im Aufbau danach. Das heißt, der häufigste Fehler wird dann gemacht, wenn wieder zu essen begonnen wird. Wenn dann gleich wieder unkontrolliert drauflos gegessen wird, kann damit der heilsame Effekt des Fastens zunichte gemacht werden.
Das gilt natürlich bei Krebskranken erst recht. Wenn gefastet wird, muss der Start ins Essen danach nicht nur langsam und vorsichtig angegangen werden, mit der neuerlichen Nahrungsaufnahme muss auch unbedingt ein Einstieg in eine vollwertige, krebshemmende Ernährungsweise verbunden sein, damit danach der Tumor nicht wieder zu wachsen beginnt. Außerdem muss das Fasten in eine ganzheitliche Therapie eingebunden sein, die insbesondere auch den seelisch-geistigen Bereich umfasst. Eine Fastenkur kann eine Zäsur sein und eine Wende einleiten. Notwendige Lebensveränderungen und Energiearbeit müssen spätestens jetzt in die Wege geleitet werden. Wenn das Leben danach wieder genauso läuft wie davor, wird die Fastenkur vermutlich kaum von nachhaltigem Erfolg gekrönt sein.